Was macht die Konkurrenz? Tizen endlich erschienen

Wettbewerb ist gut. Bedenkt man, wie dominant iOS und Android im Mobilsegment sind, wünsche ich mir mehr Trubel dort. Das peitscht die Innovation an, wie man es unter den Webbrowsern beobachten kann. Nach immer wieder aufkommenden Gerüchten hat Samsung jetzt also Tizen auf einem Smartphone gebracht.

Samsung, dass sind die Macher der Nexus-Geräte. Sehr populär wegen Android. Und auch sehr beliebt als Referenzgeräte zum Flashen anderer Betriebssysteme 😉

Wie Mitchell Baker vorgestern so schön sagte (Übersetzung von mir):

Das Silicon Valley und iOS-Nutzer sind nicht unsere anfänglichen Zielmärkte. Über die Zeit, sicher, aber unsere Zielgruppe sind Leute, die lokale Inhalte, Erschwingliches und Zugängliches suchen und, was noch wichtiger ist, Formen von Inhalten, die derzeit noch nicht durch (App) Stores bedient werden.

Zeit also, auch einmal die kleineren Betriebssysteme im Auge zu behalten. Für mich fallen darunter Tizen, Sailfish, Ubuntu Touch und Windows Phone. webOS klammere ich einmal aus. Ich kenn einige wenige Nutzer dieser Betriebssysteme, aber wenn ihr mehr wisst, verlinkt sie doch in den Kommentaren.

Trying Tizen
Flickr: Trying Tizen
von Andy Piper (CC-BY-NC)

Ich konzentriere mich in diesem Beitrag auf Tizen. Weil es auch ein webbasiertes Betriebssystem anbietet. Am liebsten ist mir dabei OpenSource. Schlichtweg deswegen, weil damit die (zumindest theoretische) Möglichkeit eingeräumt wird, den Quellcode zu inspizieren. Ich mach das gerne bei Firefox OS, wenn ich bestimmte Funktionen nachvollziehen will. Allein die Test-Suite (mocha) hab ich noch nicht gefressen …

Heute Abend ist mir dann ein Artikel vom britischen Telegraph in meine Twitter-Timeline geflutscht. Harr Sparkes stellt sich dabei die interessante Frage, inwiefern das Tizen Project als OpenSource gelten kann. Es stellt sich heraus, dass die vergebenen Lizenzen z.T. inkompatibel sind mit den Anforderungen der OpenSource Iniative.

Wisst ihr, was das tolle an HTML5 ist? Es kann prinzipiell überall laufen!

So zielt Samsung auch auf eine Reihe von Formfaktoren ab: Smartphones, Tablets, Smart TVs, Wearables, Heimanwendungen, Netbooks und in Autos verbaute Unterhaltungssysteme. Den Anfang haben sie mit ihren Smartwatches und Smart TVs gemacht. Jetzt kommt also das Smartphone. Vom Prinzip her also auf einer Entwicklungsstufe mit dem Firefox OS von Mozilla.

Wäre da nicht die Marktmacht, wie Caschy sie anspricht. Wie oben bereits erwähnt, ist Samsung schon ziemlich bekannt für die Android-Flotte. Wenn sie es jetzt also geschickt anstellen, Tizen zu pushen, bevor Google sie deswegen vom Android-Projekt aussperrt (denn Android ist offen – bis auf die coolen Elemente), könnten sie also an Firefox OS vorbeiziehen.

Vielleicht können sich aber auch beide Systeme arrangieren. Ich mein, wozu brauchen Menschen in Entwicklungsländern Gadgets wie eine intelligente Uhr oder Fernseher? Smartphones und Tablets sind da wesentlich praktischer.

Was denkt ihr? Kabbeln sich Tizen und Firefox OS hier unnötig? Oder ist Platz für Koexistenz?

Advertisements

8 Kommentare zu “Was macht die Konkurrenz? Tizen endlich erschienen

  1. Tizen wird es auf Smartphones zunächst nicht bei uns geben, sondern andere Märkte bedienen. Es soll Tizen beispielsweise in Russland geben. http://tizenblog.de/samsungs-erstes-tizen-smartphone-samsung-z-kommt-nicht-nach-deutschland/ Ich denke, dass hat mit dem Markt zu tun, den du ja ausführlich erwähnst.
    Alles, was ich von Tizen gelesen und verstanden habe, macht es auch für mich interessant. Die Einschränkungen sind auf meiner Seite immer die gleichen:
    – Ich habe bereits mehrere Smartphones und brauche eigentlich kein neues.
    – Trotz Open Source verstehe ich die Sicherheitseinstellungen nicht und geraten beim Nachtippen von Anleitungen leider auch schon mal im Abseits.
    – Mit zunehmendem Alter interessieren mich nicht mehr so sehr die neuen Dinge, sondern mehr das Verlässliche. Da habe ich bei Tizen den Eindruck, dass es stabil und verlässlich sein könnte und bedauere sehr, dass ich es nicht anderen empfehlen kann (außer meinen russischen Freunden).

    • Hallo, kulervo,

      ja, natürlich hast du Recht in dem, dass Tizen zunächst nur in Russland erscheinen wird. Aber das war bei Firefox OS zunächst ja auch nicht anders. Es ist üblich, zunächst in einem kleinen Testmarkt zu starten, dessen Kundenmischung in etwa dem entspricht, was man später anpeilt.

      Brasilien war so ein Fall bei Mozilla. Die Leute haben im Durchschnitt nicht so viel Geld und müssen kalkulieren. Umso größer war die Überraschung, dass die Geräte weggingen wie warme Semmeln 😉

      Ich hab nur ein Smartphone. Das reicht mir aber auch schon. Ich finde den OpenSource-Aspekt so spannend, weil man so die Entwicklung hautnah mitverfolgen kann. Sofern man technisch versiert ist. Das Problem dabei liegt allerdings darin, dass viele Projekte nur von einer Person gestemmt werden (ala http://www.commitstrip.com/en/2014/05/07/the-truth-behind-open-source-apps/ ). Mozilla hat eine Community. Google auch. Inwiefern Samsung (ähnlich wie Jolla mit Sailfish) hier etwas aufgebaut bekommt, wird sich zeigen.

      Mit den Anleitungen ist es so eine Sache. Ich hab dich da ja auch in so manche Chose reingeritten :-/

      Wenn du etwas verlässliches brauchst, nimm nicht das neueste. Firefox OS, Sailfish OS oder jetzt Tizen dürfen getrost als “experimentell” eingestuft werden. Da bist du mit den etablierten Betriebssystemen besser dran.

  2. Das coole bei Tizen ist dass es in der praxis ein fast normales Linux ist, und man kann darauf Qt-Anwendungen laufen lassen, im endeffekt die gleichen wie unter Ubuntu-Touch. Sie fahren also wie Ubuntu zweigleisig, HTML5 und nativ mit C/C++.

    Ich selbst arbeite in der Automobilbranche und auch da ist Tizen vertreten https://wiki.tizen.org/wiki/IVI d.h. das Betriebssystem kommt in Autos, Flugzeuge, Schiffe, LKWs, etc. Das Tizen Smartphone wird denke ich immer nur ein Nebenprodukt bleiben, denn die Plattform ist sehr dehnbar und ein OpenSource Touch-Betriebssystem wird von vielen Branchen nachgefragt.

    • Blogst du auch über Tizen? Ich füg dich erst einmal dem Feedreader hinzu und les mir unterwegs ein paar Beiträge durch 🙂

      Im Gegensatz zu Canonical bekommen Samsung und Mozilla wenigstens die Produkte auch auf den Markt. Ich mein, wie lange wurde Ubuntu Touch jetzt angekündigt? Genauso wie Ubuntu TV und dergleichen. Am Ende dauert es bei denen dann ewig.

      Mozilla läuft unter der Haube (= Gonk) auch mit C/C++,
      https://github.com/mozilla-b2g/gonk-misc und https://github.com/mozilla-b2g/B2G – für den Fall, dass du einmal einen Blick reinwerfen magst.

      Qt finde ich nicht ganz so ästhetisch. Dafür wird Qt5 vom Design her wesentlich barrierefreier als GTK3..

      Mit Embedded Systems (insbes. im Automotiv-Bereich) hab ich mich noch gar nicht auseinandergesetzt. Ich lese aber, dass Infotainment im kommen ist … Datenschutz lässt grüßen :-S

      • Ah ne ich blogge nicht über meine Arbeit.

        Unter der Haube sicher, aber du kannst keine Apps damit bauen und somit auch keine libraries benutzen die in C/C++ geschrieben sind.

        Das was du meinst mit ästhetisch meinst sind nur die default themes. Im touch/embeded bereich benutzt man die eh nicht, da macht man Apps meist so wie man auch HTML apps macht, man definiert fast alles vom aussehen selbst. Und mit Qml hat man sogar so was ähnliches wie HTML und JavaScript mit dem man arbeitet, nur ohne den grossen Overhead von einer kompletten Webrenderingengine.

        Jo das ist auf jeden Fall im kommen, Apple, Google und Intel/Samsung versuchen sich da auch gerade zu positionieren.

      • Ich schau mir deinen Blog trotzdem an! 😉

        C/C++ oder allgemein Kompiliersprachen sind nicht so meins. Ich erkenne ihre Daseinsberechtigung, aber Speicherverwaltung, Pointer uvm. finde ich einfach nur lästig. Von daher liebäugele ich mehr mit Interpretersprachen wie Python, Ruby oder eben JavaScript.

        Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

  3. There’s room for other operating systems – if they carve out a distinct user experience. At present, the Tizen experience sounds like a copy of Android – with few apps. However, the obsession with apps is largely a Western one.

    Organizations such as universities and companies don’t wish to write OS-specific apps to access their data. HTML5 apps can serve most of their needs, and there’s little pressure to make such apps „slick“. So there is a segment of users which other OSs can appeal to. But it still won’t be easy.

    • Not only Tizen, but Sailfish “copy” Android. And even Firefox OS is based on AOSP. The reason is not reinventing the wheel.

      That being said I’m based when it comes to compare App Stores. Sure, Android and iOS are out there for years now, but I think, it might be interesting to compare the growth with iOS 1 and Android 1st generation. I’ve tried to figure out some numbers for iOS back then, but there were hardly available.

      Universities and companies are most the time to clumbersome when shifting gears. Just look around which Java versions are in use out there.
      I’m looking forward to dynamic startups to push the boundaries – if the state does not interrupt them.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s